RADIERUNG & KUPFERSTICH

Die Platte
darf mitarbeiten.

Eine Linie in Metall. Säure, Farbe, Papier und Druck.

Und irgendwann der Moment, in dem sich nicht mehr alles kontrollieren lässt.

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Wie vervielfältigt man ein Original?

Zur Druckgrafik kam ich nicht, weil ich unbedingt Druckgrafiker werden wollte.

Am Anfang stand eine ziemlich praktische Frage.

Eine handgeschriebene Urkunde ist ein Einzelstück. Ein Musikverein braucht aber vielleicht zwanzig oder dreißig davon.

Wie lässt sich etwas vervielfältigen, ohne dass es seinen handwerklichen Charakter verliert?

Eine mögliche Antwort führte mich zu Techniken, die deutlich älter sind als jeder Laserdrucker.

Radierung und Kupferstich.

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Metall merkt sich jede Linie.

Beim Kupferstich wird die Linie direkt in die Platte geschnitten.

Bei der Radierung übernimmt die Säure einen Teil der Arbeit.

Geritzt, geätzt, poliert, wieder verletzt. Farbe hinein. Farbe wieder herunter. Papier darauf. Druck.

Das Spannende beginnt dort, wo die Platte nicht mehr nur das tut, was ich vorher geplant habe.

Ein Kratzer kann stören.

Oder genau das sein, was dem Druck gefehlt hat.

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Der erste Druck

Bis zum Druck ist die Platte nur eine Möglichkeit.

Erst wenn das Papier wieder von ihr abgehoben wird, zeigt sich, was tatsächlich entstanden ist.

Das Ergebnis nicht kennen – und trotzdem bewundern.

Genau das war für mich neu.

Beim Logo, beim Wappen oder bei einer Urkunde steht das Ziel meist von Anfang an ziemlich genau fest.

Hier durfte der Zufall plötzlich mitarbeiten.

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Zum Drucken braucht es Druck.

Für Tiefdruck braucht man eine Presse.

Also entstand eine.

Später eine zweite.

Auch hier war der Bau der Maschine nie Selbstzweck. Sie war das Werkzeug, das nötig war, damit die eigentliche Arbeit entstehen konnte.

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Keine Kopie

Ein Druck ist eine Vervielfältigung.

Aber er ist keine Kopie im heutigen Sinn.

Farbe wird auf die Platte gebracht, wieder abgenommen, verteilt und in Vertiefungen gehalten. Papier, Feuchtigkeit und Pressdruck verändern das Ergebnis.

Selbst zwei Abzüge derselben Platte müssen deshalb nicht vollkommen gleich sein.

Die Platte bleibt dieselbe. Der Druck bekommt trotzdem seinen eigenen Charakter.

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Farbe, Papier, Druck.

Die Linie ist nur ein Teil des Bildes.

Welche Farbe bleibt auf der Platte? Wie viel wird wieder ausgewischt? Welches Papier nimmt sie auf? Wie reagiert die Oberfläche?

Gerade diese kleinen Unterschiede machen den Druck für mich interessant.

Man kann vieles wiederholen. Aber nicht alles.

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Von der Urkunde zum Bild

Die Druckgrafik begann für mich mit einer praktischen Aufgabe.

Sie führte aber ziemlich schnell darüber hinaus.

Die Möglichkeit, mit Linien, Flächen, Verletzungen der Platte und mehreren Farben zu experimentieren, veränderte auch meinen Blick auf Malerei.

Nicht mehr nur ein vorher festgelegtes Ergebnis herstellen.

Sondern während der Arbeit sehen, was entstehen will.

Die Platte darf mitarbeiten.

Vielleicht ist genau das der Reiz.